My Fezazi ephemeral architecture

Fuzzy Space Research

Lektorat Nadine Scheufele - Researchtext lOb-Design Mohammed Fezazi

Fuzzy Space ist ein sogenannter pneumatischer Raum, der sich im Inneren eines statischen Raumes aufbläst. Er kann die verschiedensten Räume und Gebäude ersetzen. Die Außenwand des Pneus drückt sich an die Innenwände des Raumes und füllt ihn so aus. Die Grundform des Pneus ist kinetisch, also definiert durch ständige Beweglichkeit und Flexibilität. Der Fuzzy Space erzeugt dementsprechend Raumsequenzen, die abhängig von den Bewegungen der Menschen im Innere eine kontinuierliche Oszilation bewirken.

Die enge Verzahnung von medialen, virtuellen, telemetrischen und gegenständlichen Räumen bestimmt inzwischen unseren Alltag. Die Grauzonen und Übergangsräume zwischen diesen Sphären sind dabei von besonderem Interesse. Wie selbstverständlich bewegen wir uns zwischen diesen Räumen, ohne zu bemerken, wie sehr sie bereits unseren Alltag prägen. Der direkte Einfluss dieser unterschiedlichen Räume und die Auswirkungen auf den Menschen, seine Wahrnehmung und seine eigene Verortung sind von elementarer Bedeutung. Es gilt, eine neue Form der Räumlichkeit zu entwickeln, die nicht zwangsläufig ein Resultat, sondern vielmehr eine Reaktion auf diesen veränderten Realitätsbegriff formuliert. Der Fuzzy Space ist in Folge dessen ein „Nicht-Ort“.

Er ist außerdem ein Anschauungsobjekt, das auf seine Art und Weise das Grundprinzip einer hybriden Räumlichkeit abbildet. In diesem Zusammenhang transformiert er das Wirtsgebäude in einen „Über-Ort“. Vergangene Raumsequenzen werden zunächst gespeichert und anschließend reproduziert. Gegenwärtige Raumzustände sind so gleichzeitig auch ein Abbild vergangener Einflüsse. Das Wirtsgebäude ist die statische, also gegenständliche Eingrenzung der Räumlichkeit, während der Fuzzy Space die virtuelle Erweiterung darstellt. Der statische Raum wird hier um eine kinetische, also zeit- und bewegungsbasierte Komponente erweitert, und stellt somit die virtuelle Erweiterung des Raumes mit gegenständlichen Mitteln dar. Das Resultat ist dem Wesen nach ein Raum, aber auch ein Übergangsbereich zwischen den Räumen, nicht mehr gegenständlich und noch nicht virtuell.

Der Fuzzy Space ist ein „Nicht-Raum“ (s. DAA S. 456). Frei von einer funktionalen Zuordnung definiert er ein Minus-Volumen. Die symbiotische Nutzung der räumlichen Konfiguration des Wirkungsumfelds dient der Erzeugung eines Transfervolumens. Räumlichkeit als integriertes Prinzip ist der Untersuchungsgegenstand dieser künstlerischen Arbeit. Das eingesetzte Objekt lässt sich als Hybriden definieren, der sich zwischen einer sensorischen Analyse und einer aktiven Intervention bewegt – als integrierte Bestandteile im Formfindungsprozess beeinflussen ausschließlich diese Faktoren das Objekt. Das Resultat ist dem Wesen nach ein Raum, ein Volumen, ein Gebäude, das sich einer gängigen Definition entzieht. Fuzzy Space hat ein symbiotisches Prinzip. Das Phänomen der urbanen Unschärfe hat erheblichen Einfluss auf dieiIdentitätsstiftenden Merkmale, die ein Gebäude oder eine Institution aufweisen.

Ein Gebäude stiftet Identität in unterschiedlichen Funktions- und Bedeutungsebenen. Die erste Stufe ist das Verorten einer Institution, also das Schaffen einer Location. Dies geschieht zum Beispiel auf der Ebene eines Staates, eines Bezirks, einer Stadt oder zuletzt der Position eines Ortes im Verhältnis zu einem Orientierungssystem. Die nächste Stufe ist die Abgrenzung eines Innenraumes gegenüber einem Außenraum. Der Unterschied zwischen Innen und Außen wird in Form einer Kubatur, mit einer Fassade oder einem Eingang festgelegt. Diese physisch räumlichen Faktoren werden erweitert um nicht physische, gedankliche und virtuelle Faktoren wie der Adresse im World Wide Web. Weitere indentitätsstiftenden Merkmale sind die Geschichten einer Location: Zum einen ihr Werdegang im Verlauf der Jahre, zum anderen die Geschichten, die um einen Ort in der Gegenwart kursieren, also das Image.

Der Stadtraum soll zunächst untersucht werden. In einer ersten Phase werden neuralgische Punkte im Stadtgebiet aufgedeckt, an denen urbane Unschärfe entsteht. Das einzelne Haus wird vermessen, die Grundrisskonfiguration untersucht und der nachhaltige funktionale Mehrwert definiert. In den meisten Fällen ist kein funktionaler Mehrwert mehr erkennbar, was ein Gebäude zum Abrisskandidaten macht. Die Intervention besteht in einer Rekonfiguration funktionaler und formaler Zusammenhänge. Unabhängig üblicher Gesetzmäßigkeiten werden Grundrisse neu zusammengeschaltet, Innen- und Außenraum als fliesendes Kontinuum aufgefasst, und räumliche Dispositionen reprogrammiert. Der Innenraum, sowie der städtische Raum durchlaufen eine Metamorphose – mit dem Fuzzy Space als Katalysator. Hierbei ist der Fuzzy Space kein beschreibendes Element. Er folgt keiner stringenten funktionalen Logik. Die konsequente, integrierte Anwendung unterschiedlicher Einflussfaktoren führen zu einem eigenständigen Objekt, das veränderbar ist durch Variablen wie Raumhöhe, Temperatur, Anzahl der Menschen im Inneren, Aussendruck, Wetterlage oder Tageslicht.

Fuzzy Space Installation

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Atoll Project mit Magdalena Jetelová

Cognitive Housing

M. Y. Fezazi

portrait Der Architekt und Mediendesigner Mohamed Fezazi, 1976 in Tanger, Marokko geboren wuchs in Bergheim bei Köln auf, wo er sein Abitur 1996 machte.

Nach der Schreinerlehre studierte er zwischen 1999 und 2006 Architektur an der BU Wuppertal und audiovisuelle Medien an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Diplom in Architektur mit Auszeichnung, seid 2011 Mitglied der Architektenkammer NRW. Diplom Audivisuelle Medien bei Heide Hagebölling und Marcel Odenbach mit Auszeichnung.

Während des Studiums war er Assistent der Bildhauerin Magdalena Jetelová und unter anderem für das Büro Coop Himmelb(l)au in Wien tätig. Lehraufträge an der KHM in Köln, der BU Wuppertal, FH Düssseldorf und Dozent der Junior Uni Wuppertal. Vorträge unter anderem an der Kunsthochschule für Medien Köln, BU Wuppertal, FH Lippe Höxter, FH Düsseldorf, Summer school „Bergisch Project“.

Mohamed ist Gründer von Lob-Design, Studio für Architektur und Design. Dieses ist spezialisiert auf die Gestaltung und Produktion aufblasbarer Räume, Objekte und Interieurs für Ausstellungen und Messen.

Neben Projekten für Kunden wie WDR, Japan Tobaco International, Porsche oder Jung von Matt, sind auch eine Reihe künstlerischer Arbeiten sowie Ausstellungsbeiträge entstanden:

Unter anderem für das Wassermuseum Mülheim an der Ruhr, die Gruppenausstellung West Arch am Ludwig Forum für internationale Kunst in Aachen, für das Forum Produkt Design in Solingen, das deutsche Architekturmuseum Frankfurt und das Museum für Architektur und Ingenieurkunst NRW.

Seine künstlerischen Videoarbeiten und Installationen befassen sich mit ephemeren Räumen und interaktiver, zeitcodebasierter Architektur.



M. Y. Fezazi

The architect and media designer Mohamed Fezazi , born in Tangier , Morocco in 1976 grew up in Bergheim near Cologne, where he graduated from Gymnasium in 1996.

After learning carpentry, from 1999 to 2006 he studied architecture at the BU Wuppertal and audio-visual media Design at the Academy of Media Arts in Cologne . Diploma in Architecture with honors , since 2011 a member of the German Chamber of Architects NRW. Diploma in Audiovisual Media teached by Heide Hagebölling and Marcel Odenbach, with distinction.

During his studies he worked as an assistant to the sculptor Magdalena Jetelová and among other things, the firm Coop Himmelb (l) au in Vienna, Austria. He lectured at the Academy of Media Arts Cologne, BU Wuppertal, FH Düsseldorf and at Junior University of Wuppertal.

Mohamed is founder of Lob-design, studio for architecture and design. It is specialized in the design and manufacturing of inflatable rooms , objects and interiors for exhibitions and fairs.

In addition to projects for clients such as WDR, Japan Tobaco International , Porsche and Jung von Matt , also a number of artistic works and exhibition fees are incurred :

Among other things, the water museum in Mülheim an der Ruhr, the group exhibition West Arch at the Ludwig Forum in Aachen , for the Forum of product design in Solingen and the Museum of Architecture and Engineering NRW.

His artistic video works and installations deal with ephemeral spaces and interactive , time-code-based architecture.




Wettbewerbe/Preise

1990 2. Preis Die Gute Form Innungswettbewerb des Schreinerhandwerks
2001 1. Preis Architektur und Ingenieurbaupreis Hamburg Olympiastadion
2002 1. Preis Wettbewerb Info Pavillon für die Regionale 2006 GmbH
2003 1. Preis Realisierungswettbewerb Leitlinie Wupper
2004 Dekanspreis des FB 5 Universität Wuppertal beste Diplomarbeit
2004 GABV Preis FB 5 Universität Wuppertal beste Studienleistung
2004 Hauptpreis NUK Buisnessplanwettbewerb
2008 Wuppertaler Wirtschaftspreis
2010 1. Preis Wettbewerb Mobiles Leben



Ausstellungen

2001 Ausstellung Individualität und Serie Deutsches Architektur Museum Frankfurt
2002 Ausstellung Rhein Ruhr City Die unentdeckte Metropole NRW Forum Düsseldorf
2002 Ausstellung 1. Architektur Biennale von Rotterdam, Mob lab
2002 Ausstellung Individualität und Serie Red dot Design Museum NRW
2003 Architektur Biennale von Venedig deutscher Pavillon
2007 Einzelausstellung Wassermuseum Mülheim a.d. Ruhr "liquid perspectives"
2010 Ausstellung West arch Ludwig Forum Aachen
2011 NRW Theatertreffen Pina Bausch Stiftung Fuzzy Spaces
2012 Heimat. Zukundt. Kooperation. Forum Produktdesign Solingen
2013 Bergisch Project summer school Studio Master



Publikationen

10.2013 Deutschlandfunk Portrait zu Lob-Design: Sendung vom 20.09.13
Pure Plastic ISBN 978-3-938780-52-0
Ausstellungskatalog: West Arch
Ausstellungskatalog Biennale von Venedig 2002
Westdeutsche Zeitung 19.02.2011/19.09.2009
Bild Zeitung 5.12.2008
Wuppertaler Rundschau 8.01.2011
Impulse 04.2007
business on 09.2006